(07.01.2007) Buchrezension: Die Darstellung des Islams in der Presse

Die Darstellung des Islams in der Presse

Buchrezension

Wir leben im Zeitalter der Massenmedien, welche unser Weltbild beeinflussen und prägen. Tagtäglich werden wir von den Medien mit Informationen zugeflutet, deren Wahrheitsgehalt nur die Wenigsten von uns überprüfen können. Somit werden Informationen, Darstellungen und Berichterstattungen zum größtenteils einfach so übernommen ohne sie in Frage zu stellen.

Besonders wenn es um den Islam geht, sehen wir eine hohe Pluralität in der Medienerstattung. Die einen sprechen von Terroristen, die einen von einer Weltreligion. Für die einen ist der Islam eine Gemeinde der Barmherzigkeit, für die Anderen eine Religion des Zorns.

Sabine Schiffer widmet sich diesem Phänomen und untersucht die teils paradoxen Berichterstattungen und Darstellungen des Islams in den Medien. So kommt sie zu einem erschrecken Ergebnis: „Der Islam kommt in den Medien eigentlich (so gut wie) nicht vor. Und damit wäre ich schon zu Ende. Aber so einfach können wir es uns natürlich nicht machen, denn Vieles, das mit dem Islam identifiziert wird, wird über die Medien und deren Themen transportiert und darum müssen wir uns sehr genau ansehen, wie das, was wir für den Islam halten, in unseren Köpfen zustande kommt.“

Eindruck im Mittelpunkt

Und genau dies tut sie. Sie analysiert die Islamdarstellung in den Medien und stellt anschaulich dar, wie Medien agieren. Die Art und Weise wie der Islam dargestellt wird, führt zu Stereotypen und Missverständnissen. So zeigt Schiffer auch, wie rassistische Vorstellungen entstehen und im Diskurs geführt und durch die Medien gefüttert werden.

Schon in der Einleitung wird gesagt, dass nicht der Islam das Hauptthema der Dissertation ist, sondern wie der Eindruck entsteht, das bestimmte Sachverhalte als ursächlich mit dem Islam verbunden wahrgenommen werden. Die Vermittler des Islambildes, also die Medien, werden ausführlich analysiert. Berichterstattungen werden empirisch bearbeitet und im Anhang sind zahlreiche Beispiele der Medienberichterstattung über den Islam. So wird das Buch abgerundet.

Islamophobie als Folge

Gleichzeitig warnt Schiffer davor, dass der aktuelle antiislamische Diskurs Ähnlichkeiten mit dem antisemitischen des 19. Jahrhunderts aufweist. Sie zeigt, dass es sich bei der Darstellung des Islams um einen diskriminatorischen Diskurs ähnlich dem über die Juden handelt. Die Ereignisse des 11.Septembers 2001 sieht sie nicht als Beginn einer „Hetzjagd“, sondern als „Bestätigung“ für die legitime Skepsis gegenüber dem Islam. So werden aktuelle Ereignisse immer mit einem Rückblick auf den 11.September interpretiert. Das Bild des Islams wird mit diesen Ereignissen reflektiert und dementsprechend dargestellt.

Fazit: Beim Lesen dieser Lektüre wird eins ganz deutlich: in den Medien wird nicht der Islam gezeigt, sondern der Islam in den Köpfen der Reporter. Die meisten Journalisten berichten von ihren subjektiven Vorstellungen einer Weltreligionen, die häufig nicht der Wahrheit entspricht. Es wird gezeigt, wie aus der Aufzählung reiner Fakten falsche Schlüsse gezogen werden können. So kommt sie zum Schluss, dass man damit man auch nicht mehr auf das Berichten von Fakten als ausreichendes Mittel gegen Diskriminierung und dem Schüren von Rassismus berufen kann. Dies zeigt in beeindruckender Weise Sabine Schiffer mit dieser empirischen Arbeit über die Darstellung des Islams in der Presse.

Cemil Sahinöz | KISMET 07.01.2007

Veröffentlicht von misawatruth

Der Autor Cemil Şahinöz (Dipl. Soziologe, Familienberater, Integrationsbeauftragter, Doktorand der Theologie; geboren 1981) ist Gründer und Chefredakteur der Zeitschrift “Ayasofya”. Er hat verschiedene Bücher übersetzt und verfasst. Sein erstes Buch schrieb er mit 15 Jahren und mit 16 Jahren brachte er seine erste monatliche Zeitschrift heraus. Sein Aufsatz “Situation der türkischen Familien in Europa“ wurde 2006 von Diyanet (DİTİB) zum “Besten Aufsatz des Jahres“ gewählt. Zu verschiedensten Themen macht er Vorträge, Seminare, Fortbildungen, Konferenzen und Workshops. Er ist in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften als Journalist und Kolumnist tätig. Als Journalist begleitete er den deutschen Bundespräsident Christian Wulff und den türkischen Staatspräsidenten Abdullah Gül bei ihrem Osnabrück-Besuch. Şahinöz moderierte die Internet-Radiosendung “Misawa Talk“. Hauptberuflich ist er in der Integrationsagentur und Familienberatung tätig. Nebenbei ist er in der türkischen Glücksspielsuchthotline tätig. In der Vergangenheit arbeitete er als Lehrer, Projektmanager, Seelsorger für muslimische Häftlinge, Übersetzer, Editor und Leiter von pädagogischen Angeboten. Seine Webseite (www.misawa.de) wurde unter 42 deutschen Islamseiten in den Bereichen "Offenheit", "Dialog", "Meinungsfreiheit", “Toleranz“ und "Demokratisch" in einer Forschungsarbeit an einer Universität am besten bewertet. Als Dank und Auszeichnung für sein Engagement im Bereich Integration wurde er von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel nach Berlin eingeladen und seine Arbeit auf diesem Gebiet gelobt. Şahinöz traf sich u.a. auch mit dem muslimischen Berater von Barack Obama, Rashad Hussain, und gab ihm Informationen über die Muslime und ihren Organisationen in Deutschland. Der AIB (Europäischer Arbeitgeber und Akademiker Verbandes NRW) verlieh ihm im Juni 2011 den “Akademiker- und Integrationspreis.” Şahinöz ist zu dem Vorsitzender des Bündnis Islamischer Gemeinden (Dachverband der muslimischen Einrichtungen in Bielefeld) und der European Risale-i Nur Association (Dachverband der Nurculuk Bewegung in Europa).

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Erstelle deine Website auf WordPress.com
Jetzt starten
%d Bloggern gefällt das: